Das will ich nicht

Heute versuche ich mich mal „allein“, das heißt nur Text ohne Bilder oder ein Video. Und es geht auch um ein ganz anderes Thema. Es geht um Spenden und es geht darum, dass ich mich ärgere.

Es gibt wirklich tolle Hilfsorganisationen die eine gute Arbeit leisten und natürlich finanziert sich diese Arbeit nicht aus „Luft und Liebe“. Aber wie ein Teil dieser Organisationen Geld sammelt nervt mich! In meinem Fall geht es um die Aktion „HelpAge – Jede Oma zählt“. Nicht „Jede Oma zahlt“, wie ein Jugendlicher in meiner Nähe vermutete. Wobei die Vermutung wohl auch nicht ganz falsch ist. Ich saß gestern auf dem Luisenplatz in Darmstadt und habe auf zwei Freundinnen gewartet. Dabei habe ich das Treiben am Stand von HelpAge eine Weile beobachtet. Hauptsächlich alte Menschen wurden angesprochen, „man müsse sich mal mit Ihnen unterhalten“. Nachdem ich meinen Mittagssnack verspeist hatte bin ich aufgestanden und auch in den Radius des Standes getreten und wurde sofort angesprochen mit den Worten: „Du kommst jetzt mal mit mir mit. Wir müssen uns unterhalten“ Wie bitte?! Nicht besonders freundlich, dafür, dass ich genau weiß, was Sie von mir wollen: ich soll spenden. Da ich sowieso warten musste beschloss ich mal mitzugehen und ihr zuzuhören. Was hätte ich auch machen sollen? Sagen: „Oh ich muss weg.“ – und dann 10 m weiter stehen bleiben? Ich hatte ja eine sichere „Exit-Strategie“: wenn meine Freundinnen kommen, dann kann ich sagen: „Wir müssen los.“

Das „Gespräch“ beginnt. Es wird versucht durch die Frage nach dem Namen und dem Beruf/Studium etwas Nähe aufzubauen: „Online-Journalismus. Voll cool. Was macht man da so?“ Dann wird der Text runter geleihert. Parallel dazu werden mir aus einem Ordner Bilder und Grafiken unter die Nase gehalten, die ich aber nicht lesen und erkennen kann, weil die Spendensammlerin ständig davor herum fuchtelt. Ihre Argumentation zusammen gefasst: „Arme Länder, die mittlere Generation stirbt, Waisen und arme alte Menschen bleiben zurück. Lösung: nur 5 € Rente reichen um eine Oma einen Monat zu versorgen. Und wenn sie Waisenkinder bei sich aufnimmt bekommt sie noch mal 2,50 € dafür. Super Sache, oder?! Da stimmst du doch zu? (Wer kann an dieser Stelle bitte „Nein“ sagen?) Aber das ganze finanziert sich natürlich nicht durch Luft und Liebe, daher sammeln wir spenden. (Formular wird gezückt.) Hier oben kommen Adresse und Name rein (da unten die Kontoverbindung wird mal verschwiegen), hier geht es uns ums sammeln, am besten jährlich, dass die Banken nicht mitverdienen und da das ganze kein Ehevertrag ist kannst du auch jeder Zeit wieder kündigen. (Doofer Spruch! Besonders für jemand der glücklich verheiratet ist…)“ „Nein, ich will nicht. Ich spende schon.“ Und ich will vor allem nicht, weil ich auf der Straße angequatscht werde und dazu genötigt werde. Besonders deutlich wurde mir das, nachdem eine meiner beiden Freundinnen dazu kam: S. Sie dachte das Thema interessiert mich und lies sich die ganze Geschichte auch noch mal erzählen: es wurde wortwörtlich der identische Text wie bei mir runter gebetet obwohl ich daneben stand. Auch S. lehnte ab, sie sei Studentin und wolle sich nicht binden. Dann wurde die Spendensammlerin langsam böse… 8 € pro Monat würden uns doch nicht unter die Brücke bringen, das wären nur 2 -3 Kaffee im Monat weniger. Die meisten Spender seien auch Studenten. Mehrfach fragte sie immer zickiger nach, warum wir denn jetzt nicht spenden wollten, obwohl wir ihr das bereits gesagt hatten. Die Antwort ist einfach: weil ich diese Methode Leute in der Fußgängerzone zu überfallen nicht gut finde. Das schadet auch dem Image jeder noch so guten Organisation. Vielleicht sehe ich nett aus und werde daher immer angequatscht. Vielleicht mache ich auch den Fehler hin zu gucken und nicht stur dran vorbei zu rennen… Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich es nicht mag. Natürlich steckt hinter dieser Methode eine einfache Marketingüberlegung: Flyer bringen uns X neu Spender, Fernsehen Y, Radio N (…) und Studenten die andere Studenten oder älteren Menschen Spenden-Abos andrehen am meisten. Trotzdem finde ich es nicht gut. Das hätte ich sagen sollen und das werde ich das nächste Mal auch sagen. Doof, dass mir oft erst hinterher einfällt was ich hätte sagen sollen. Und was ich hätte Fragen können! Mich würde interessieren ob diese Sammler einen Stundenlohn erhalten oder auch auf Provisionsbasis bezahlt werden. Eigentlich bin ich mir sicher, dass sie eine Provision bekommen und eigentlich nicht für die Organisation arbeiten sondern eben nur als Aushilfs-Spendensammler eingestellt werden. Kann mir jemand einen Text dazu empfehlen oder seine Erfahrungen mit mir teilen?

Ich für meinen Teil habe nun meinem Ärger Luft gemacht und fühle mich besser. Das nächste Mal kommen auch wieder nettere Themen. 😉 Da ich die Ideen von HelpAge trotz allem gut finde verlinke ich auf ihre Seite. Dann kann sich jeder selbst in Ruhe informieren und dann entscheiden ob er spenden möchte (geht auf der Homepage auch einmalig). Schöne Ostern & bis bald!

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2 Gedanken zu “Das will ich nicht

  1. Hallöchen Franzi,
    schöner Artikel. Gewisse DeutschlehrerInnen wären bestimmt sehr stolz auf dich 😉
    Zu deiner Frage nach Insiderberichten: ich habe tatsächlich mal ganze zwei Tage Spenden gesammelt.
    Das sieht dann so aus: es gibt eine Dachorganisation, die kann von NGOs angeworben werden. Die kümmert sich dann um alles. Sprich, die sucht den Ort aus, stellt Leute (Promoter) ein, die andere Leute nerven sollen und bringt den Promotern bei, wie sie mit anderen Leuten sprechen sollen, damit diese möglichst spenden, ohne dabei zum nachdenken zu kommen (das wurde mir ausdrücklich gesagt, dass die Leute nicht zum nachdenken dürfen).
    Zu der Bezahlung der Promoter: Ich habe damals grandiose 25€ pro Tag bekommen (ca. 10 Stunden arbeit) und pro Unterschrift, die nach so und so vielen Tagen nicht zurückgezogen wurde, nochmal eine Provision, die gestaffelt ist. Also bis ca. 10 Unterschriften kriegt man, sagen wir mal 10€ (ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau, wie viel es tatsächlich war), dann ab 10 15€ pro Unterschrift und so weiter. Angeblich kann man damit echt viel Geld verdienen, aber so lange, um wirklich reich zu werden, bin ich leider nicht geblieben 😀 und es sind auch echt viele Promoter abgesprungen.
    Man kann übrigens auch Geld verdienen in dem man als Promoter andere Leute als Promoter anwirbt (Das macht man dann, wenn die Leute sagen, dass sie kein Geld zum Spenden haben. Dann kommt dann: suchst du zufällig einen Nebenjob?!). Ich glaub das gibt so 50€ oder so, wenn einer den man anquatscht tatsächlich Promoter wird und länger, als 2 Wochen bleibt. Aber das kommt wohl nicht so oft vor, dass die Zeitspanne erreicht wird 😉
    Wenn man als Promoter wirklich gut ist, schafft man übrigens 3 Unterschriften pro Arbeitstag.
    Liebe Grüße und frohe Ostern
    Hannah

    • Hallo Hannah, vielen Dank für deine offenen und ehrlichen Einblicke! Wirklich sehr interessant. 25 € bzw. 35 € ist echt wenig, dafür, dass es wirklich keine so schöne Arbeit ist… Danke! Viele Grüße, Franzi

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